Nachdem er mit einem fruchtbaren Leben als Mönch und Missionar gesegnet war, ist unser geliebter Pater Ulrich Stöckl OSB am 24. April 2021 friedlich im Missionshospital Ndanda gestorben. P. Ulrich wäre im Mai 2021 97 Jahre alt geworden sein.  Nachdem er mehr als 50 Jahre lang in verschiedenen Pfarreien und Außenstationen gearbeitet hatte, kehrte Pater Ulrich vor etwa 12 Jahren in die Gemeinschaft nach Ndanda zurück.

Er sagte, sein Ziel, nach Ndanda zurückzukehren, sei gewesen: „sich auf die große Reise in den Himmel vorzubereiten“. Als Teil dieser Vorbereitung schrieb P. Ulrich eine kurze Geschichte seines Lebens:

„Ich wurde am 24. Mai 1924 geboren und wuchs in Pessenburgheim mit meinen Geschwistern auf. Mein Leben verlief wie folgt: Am 1. Mai 1930 kam ich in die Volksschule nach Holzheim.  Fünf Jahre später im Jahr 1935 machte ich die Aufnahmeprüfung für das Seminar in St. Ottilien. Da das Seminar von St. Ottilien von der damaligen Regierung aufgehoben wurde, kam ich in das Ottilienkolleg nach Dillingen. Auch dieses Kolleg wurde am 29. April 1941 aufgehoben. Deswegen bin ich nach München gegangen, wo ich bei den Schwestern Maria und Dora Häfele – Schwestern des damaligen Pfarrers von Holzheim wohnte. Im Januar 1943 wurde ich zu den Gebrigsjägern nach Oberammergau eingezogen und kam nach Frankreich zur Ausbildung. Im Juni 1943 kam ich nach Russland an den Rand des Kaukasus und ich machte den Krieg bis zum Schluss mit. Ich wurde dreimal verwundert. Zwischen Mai 1945 und 24. Juli 1949 geriet ich in russische Gefangenschaft in Gorki an der Wolga im Gefangenenlager. Drei Monate später (Oktober 1949) bin ich wieder in St. Ottilien eingetreten und studierte dort Philosophie und in München Theologie. Am 7. August 1955 wurde ich in St. Ottilien geweiht und hielt am 14. August in Pressenburgheim meine Primiz. Im November 1956 ging ich für ein halbes Jahr nach England, um dort Englisch zu lernen. Ein Jahr später (1957) wurde ich in St. Ottilien in die Missionsabtei Ndanda in Tansania ausgesandt. Zwischen 1957 und 2005 arbeitet ich in fünf verschiedenen Pfarreien, unter ihnen in der Pfarrei Ndanda, wo ich 23 Jahre Pfarrer war. Am 15. August 2005 durfte ich mein Goldenes Priesterjubiläum in der Heimat feiern.“

So entschied P. Ulrich nach 50 Jahren aktiven Dienstes in den Pfarreien, dass es an der Zeit war, zurück ins Kloster nach Ndanda zu gehen und ein ganz klösterliches Leben des Gebets und der Arbeit zu führen. In diesen fünfzig Jahren baute er Kirchen, Kindergärten und Gesundheitszentren auf. Er führte viele junge Menschen zum priesterlichen und religiösen Leben. Unter seiner Begleitung wurden mehr als fünfzehn junge Männer zu Priestern geweiht. Auch viele junge Frauen wurden von ihm inspiriert, dem Ordensleben beizutreten. Er ermutigte Hunderte von jungen Menschen, eine christliche Ehe zu führen. Er war ein großer Verfechter der Legio Maria, des Jugendapostolats und des Religionsunterrichts in den Schulen. Wir können mit Gewissheit sagen, dass die Abtei Ndanda, die Kongregation und seine Familie einen bewunderten und außergewöhnlich lebensbejahenden Menschen verloren haben. Das Gleiche kann man von so vielen Diözesanpriestern, Ordensleuten und Laien sagen, die P. Ulrich über mehr als sechs Jahrzehnte als geistlichen Vater, Freund, Begleiter und Unterstützer kannten. Er wird sicherlich von vielen sehr vermisst werden.

Nach seiner Rückkehr ins Kloster in Ndanda führte P. Ulrich ein sehr vorbildliches Leben für die jungen Mitbrüder. Er war ein Mensch, der immer da war: sei es bei den Gebetszeiten, den Gemeinschaftsmahlzeiten oder den Treffen.  Nach 90 Jahren konnte er kaum noch singen, dennoch ließ er keine einzige Gesangsübung aus. Sein Leben hat die junge Generation der Ndanda-Gemeinschaft auf ganz besondere Weise inspiriert. Sein Leben hat uns auf sehr konkrete Weise gelehrt, wie ein Benediktiner ein guter Mönch und ein effektiver Missionar sein kann. Und das ist sein Vermächtnis, auf das wir stolz sind und für das wir dankbar sind. Möge der Herr ihm das ewige Leben schenken. Amen.